Der inhaltliche Austausch unseres Treffens in Hofgeismar (Tagesordnung sieheTagesordnung BAG Bildung 5.-6.Juni 2026 in Hofgeismar hier) startete mit Länderberichten zu aktuellen Vorhaben. Hamburg stellte das Pilotprojekt „Flexible Oberstufe“ vor, das auf mehr Individualisierung, neue Lernkulturen und angepasste Prüfungsformate abzielt. Eine gut besuchte Tagung mit über 200 Teilnehmenden zeigte großes Interesse; erste Schulen haben bereits Beteiligung signalisiert und weitere Gespräche sind geplant.


Schleswig-Holstein berichtete über das Modell „Abordnung Plus“, das Lehrkräfte gezielt an Schulen mit Personalbedarf bringt, kombiniert mit späteren Wechselmöglichkeiten an Wunschschulen. Baden-Württemberg thematisierte die aktuelle politische Lage nach der Landtagswahl: Trotz stärkerer Betonung von schulischen Leistung im Koalitionsvertrag bleibt die Qualitätsentwicklung von Schulen im Fokus. Ein kostenfreies letztes Kindergartenjahr sowie Stabilität bei Schulstrukturen sind zentrale Vorhaben.
Aus der Bundestagsfraktion berichtete Anja Reinalter über einen Entschließungsantrag zur Ganztagsbetreuung in den Schulferien und einen Antrag zum Thema „Weiterbildung stärken, Beschäftigungsfähigkeit sichern und Qualifizierung im Strukturwandel erleichtern“. Informiert wurde zudem über Einsparvorgaben im Bildungsbereich sowie angedachte Initiativen zur Stärkung der Bildungsgerechtigkeit und zur datengestützten Bildungsentwicklung.
Ein gemeinsam mit der BAG Kinder, Jugend, Familie erarbeiteter Beschlussvorschlag mit dem Titel „Rechtsanspruch auf Ganztag gestalten – Qualität sichern – Bildung ganzheitlich denken“ wurde ausführlich diskutiert und einstimmig angenommen.
Die Diskussion eines Beschlussentwurfs zur Stärkung der Demokratiebildung bildete einen weiteren Schwerpunkt des ersten Tages. Dabei wurden inhaltliche Nachschärfungen angeregt und vereinbart, zunächst ein pointiertes Kurzpapier für aktuelle politische Anlässe zu erstellen und daraus anschließend ein umfassenderes Positionspapier zu entwickeln.
Der zweite Sitzungstag war geprägt von der Fragestellung „25 Jahre nach PISA – wie kommen wir wieder vorwärts?“. Einen vertieften Input und konkrete Denkanstöße gab Torsten Klieme, Staatsrat in Bremen. Bremen hat sich in der aktuellen Legislatur vorgenommen „Streber“ in der deutschen Bildungslandschaft zu werden und eine „Offensive für mehr Bildungsqualität“ gestartet. Interessiert hat uns besonders die Identifizierung der Voraussetzungen und Rahmenbedingungen dafür, dass dieses Vorhaben nach zahlreichen Papieren und Ansätzen in anderen Ländern erfolgreich und wirksam sein könnte. Die Situation in Bremen ist davon geprägt, dass die bildungsrelevanten Risikolagen Armutsgefährdung, niedriger Bildungsstand und Anteil ausländischer Schüler*innen sehr ausgeprägt sind. Zudem treffen in einzelnen Schulen alle drei Risikolagen zusammen, quasi als „Homogenität der multiplen Problemlagen“. Dabei besteht in Bremen inzwischen ein Commitment dahingehend, dass auch unter diesen Voraussetzungen Verbesserung möglich ist.


Bei der Entwicklung einer kohärenten, aber agilen Strategie ist Beteiligung der verschiedenen Ebenen ein Qualitätsmerkmal. Bedeutsam ist zudem die konsequente Herangehensweise von der Diagnose zur Antwort und die Formulierung weniger Ziele, die in einem überschaubaren Zeithorizont von fünf Jahren erreicht werden sollen. Vier Ziele wurden in sieben Handlungsfeldern mit Maßnahmen ausdifferenziert mit dem Bild „Mosaik, das erst im Zusammenspiel wirkt“. Wichtig ist den Verantwortlichen in Bremen, dass keine Projekte, sondern dauerhaft angelegte und breit ausgerollte Programme umgesetzt werden, die konsequent zu evaluieren sind.
Daniel May, der bildungspolitische Sprecher der hessischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellte im Anschluss den „10-Punkte-Plan zur Stärkung der Bildungsqualität“ vor, den die Grünen als Oppositionsfraktion in Reaktion auf die letzten Ergebnisse für Hessen im Rahmen des IQB-Bildungstrends erarbeitet hatten. Der Plan wird aktuell auch als Antrag im Hessischen Landtag diskutiert. In der anschließenden Diskussion wir herausgestellt, dass sich dieses Papier auf Maßnahmen konzentriert, die tatsächlich von der Politik zu verantworten sind. Zugleich müssen die Lehrkräfte unterstützt werden auf der Basis der Testergebnisse auch entsprechend adaptiv fördernd zu unterrichten.
In der letzten Arbeitsphase der Tagung gab es einen Austausch zu künftigen inhaltlichen Schwerpunkten unserer Zusammenarbeit, effektiven Arbeitsformaten und Optimierungsmöglichkeiten bei der Nutzung digitaler Formate.
Die Fokusgruppe Berufliche Bildung stellte den Dokumentationsreader über die Fachtagung im Januar 2026 vor und gab einen ersten Ausblich auf die Planungen der Folgetagung zu Beginn des kommenden Jahres 2027. Vorgesehen ist eine Tagung am Berufsbildungszentrum Schleswig unter dem Arbeitstitel „Qualifizierung von Fachkräften und Transformation im ländlichen Raum“. Die gemeinsame Fokusgruppe mit der BAG Kinder. Jugend, Familie plant, das beschlossene Papier zum Rechtsanspruch auf Ganztag über eine Videokonferenz für Grüne Kommunalpolitiker*innen vorzustellen. Der Austausch zwischen den beiden Bundesarbeitsgemeinschaften wird fortgesetzt.
Für die kommende Sitzung am 23./24.10.2026 in Weimar wurde die datengestützte Schulentwicklung als Schwerpunktthema verabredet.