BAG-Tagung Berlin – 27. und 28. Februar 2026

Tag 1 – Freitag, 27.02.2026
Zum Start unserer Frühjahrstagung in Berlin hatten wir vormittags die Gelegenheit mit einer kleinen Gruppe die Maria-Leo-Grundschule in Berlin-Pankow zu besuchen. Die Schule wurde im Jahr 2025 als Hauptpreisträgerin mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Die multi-professionellen Teams der Schule setzen ein Schul- und Unterrichtskonzept um, das durch-gängig den individuellen Bedürfnissen der Kinder Rechnung trägt. Im gesamten Haus sahen wir Schüler*innen, die (jahrgangsübergreifend) zusammen Aufgaben bearbeiteten und sich intensiv mit sehr passend aufbereiteten Lerngegenständen befassten. Auf die Lernformen in besonderer Weise zugeschnitten ist das Raumkonzept des Neubaus mit „Lernhäusern“, of-fen gestalteten Begegnungsräumen und Arbeitsinseln. Mehr Informationen zur eindrucksvollen Arbeit der Schulgemeinde und zum Raumkonzept sind auf der Webseite zu finden.

Der Freitagnachmittag war geprägt von der Teilnahme am Fachgespräch der Heinrich-Böll-Stiftung „Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“. Ausgehend von dem Statement „Geflüchtete Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung“ stellte die Gruppe der Autor*innen des Policy Papers zum Thema die Herausforderungen dar und beschrieb die notwendigen Maßnahmen zur schnellen Integration in das Schulsystem.


Im Rahmen des Bund-Länder-Austauschs am Freitagabend berichtete Anja Reinalter, die bildungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, über aktuelle Themen und Initiativen (unter anderem: Verbesserung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG), Digitalpakt 2.0, Starthilfen für Auszubildende, Optionen seitens des Bundes zur Förderung von Medien- und Digitalkompetenz). Beim Bericht aus dem Kultusministerium in Baden-Württemberg wurde das dort etablierte Sprachförderprogramm als besonderer Erfolg der Grünen hervorgehoben.

Hingewiesen wurde auch darauf, dass dort die Säulen 2 und 3 des Startchancenprogramms vom Ministerium selbst verwaltet werden. Im niedersächsischen Kultusministerium steht derzeit als großes Projekt die Novellierung des Schulgesetzes auf der Agenda. Als Neuerungen vorgesehen sind dabei unter anderem der Ausbau der Möglichkeiten zum jahrgangsübergreifenden Unterricht, gesetzliche Absicherungen in den Bereichen Schüler*innenvertretung, Distanzunterricht, Nachteilsausgleich und Notenschutz. Beim Bericht aus der Bildungsministerkonferenz wurden als Themen angesprochen: Evaluation SWK, gemeinsame Länderstrategie zum IQB Bildungstrend, datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung, Notwendigkeit von Längsschnittdaten.


Tag 2 – Samstag, 28.02.2026
Der zweite Tag der Tagung im Forum Factory widmete sich abermals intensiv den Ergebnissen des aktuellen IQB-Bildungstrends 2024. Als Expertin konnten wir Frau Prof. Aileen Edele, Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Bildungsforschung, begrüßen, die das Kapitel zu den zuwanderungsbezogenen Disparitäten mitverfasst hat.

Im Zentrum der Diskussion standen die Kernaussagen des Berichts, wonach der Anteil der Neuntklässlerinnen aus zugewanderten Familien zwischen 2018 und 2024 bundesweit um sieben Prozentpunkte auf insgesamt 40 Prozent angestiegen ist. Trotz dieses Zuwachses zeigen sich weiterhin deutliche Kompetenzunterschiede, da Jugendliche aus zugewanderten Familien in Mathematik und den Naturwissenschaften im Jahr 2024 signifikant geringere Ergebnisse erzielten als ihre Mitschülerinnen ohne Zuwanderungshintergrund.

Diese Bildungsnachteile lassen sich jedoch zu einem erheblichen Teil auf Unterschiede im sozioökonomischen Status, das kulturelle Kapital der Familien sowie die individuellen Deutschkenntnisse zurückführen. Besonders bemerkenswert ist dabei das Potenzial der ersten Generation: Unter Berücksichtigung ihrer Deutschkenntnisse erzielen diese Jugendlichen im Fach Mathematik sogar signifikant bessere Ergebnisse als Jugendliche ohne Zuwanderungshintergrund, was die elementare Bedeutung einer gezielten Sprachförderung für den schulischen Erfolg eindrucksvoll unterstreicht.

Im Anschluss an die wissenschaftliche Einordnung diskutierten wir den Umgang mit dem Policy Paper der Heinrich-Böll-Stiftung „Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“. Die BAG nahm das Papier zustimmend zur Kenntnis. Wir haben beschlossen, die Forderungen nun gezielt länderbezogen in die Landesarbeitsgemeinschaften (LAGen) und an die Landtagsfraktionen heranzutragen, um die inhaltliche Arbeit vor Ort zu unterstützen.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema „Demokratiebildung an der Schule“. Wir haben beschlossen, einen eigenen Beschluss zu „Politischer Bildung in der Demokratie“ für unsere kommende Sommertagung vorzubereiten. Hierfür wurde eine Schreibgruppe gebildet, welche die inhaltliche Orientierung der Partei in diesem Bereich weiterentwickeln wird. Zudem nutzten wir die Zeit für einen intensiven Austausch über die zukünftige Arbeitsweise der BAG und sammelten Ideen für neue Sitzungsformate und Produkte.


Ausblick und Termine:

  • März 2026: Videokonferenz zur Finalisierung des Ganztagspapiers.
  • 05./06. Juni 2026: Sommertagung in Hofgeismar. Themenschwerpunkte werden ein Blick auf Bremen und den dortigen bildungspolitischen Neustart unter dem neuen Bildungssenator sein sowie Diskussionen zu den Themen Ganztag und Demokratiebildung in Hessen.
  • 23./24. Oktober 2026: Anvisierter Termin für die Herbsttagung in Thüringen (voraussichtlich Weimar).