{"id":44,"date":"2020-04-18T14:24:00","date_gmt":"2020-04-18T12:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress02.gcms.verdigado.net\/gruene-bag-bildung\/?p=44"},"modified":"2020-04-18T14:24:00","modified_gmt":"2020-04-18T12:24:00","slug":"impulspapier-zum-umgang-mit-corona-bedingten-schul-und-kitaschliessungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruene-bag-bildung.de\/index.php\/2020\/04\/18\/impulspapier-zum-umgang-mit-corona-bedingten-schul-und-kitaschliessungen\/","title":{"rendered":"Impulspapier zum Umgang mit Corona bedingten Schul- und Kitaschlie\u00dfungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieses <a href=\"https:\/\/www.gruene.de\/artikel\/impulspapier-zum-umgang-mit-corona-bedingten-schul-und-kitaschliessungen?fbclid=IwAR0YMdaAPiNpDlSLe_nxq3tMoOUDwiXSOnxYwBjV9B5CdSbP_5TEIZ41FDI\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Impulspapier<\/a> erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und traut sich, auch unorthodoxe Gedanken festzuhalten. Es ist ein Debattenansto\u00df oder ein Steinbruch \u2013 es schlie\u00dft nichts ab, sondern l\u00e4dt ein. Erarbeitet wurde es vom Bundesvorsitzenden Robert Habeck und den bildungspolitischen Sprecher*innen der Gr\u00fcnen auf Bundes- und Landesebene.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I. Debattenansto\u00df und Steinbruch<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Beschluss der Bundeskanzlerin mit den Ministerpr\u00e4sidentinnen und Ministerpr\u00e4sidenten f\u00fcr eine vorsichtige \u00d6ffnung des gesellschaftlichen Lebens ist von Vorsicht geleitet. Vulnerable Gruppen sollen laut Beschluss besonders gesch\u00fctzt werden, die Regelungen d\u00fcrfen aber \u201cnicht zu einer vollst\u00e4ndigen sozialen Isolation der Betroffenen f\u00fchren\u201d, hei\u00dft es in dem Abschlussdokument. Diese Abw\u00e4gung ist wichtig und gut, trifft aber auch auf eine andere Gruppe besonders zu: die Kinder in unserer Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es f\u00fcr die Abschluss- und \u00dcbergangs-Jahrg\u00e4nge mindestens ein Datum gibt, an dem der Schulbetrieb unter Einschr\u00e4nkungen wiederbeginnen kann, gibt es f\u00fcr die Kleinen und Kleinsten nur das Prinzip Hoffnung. F\u00fcr sie gibt es, neben der teilweise sehr knapp bemessenen Notbetreuung, bisher nur warme bemitleidende Worte. Dabei ist gerade dort der soziale Druck besonders gro\u00df. Und er versch\u00e4rft sich je nach sozialer Lage, Wohnungsgr\u00f6\u00dfe, Geschwisteranzahl, m\u00f6glichem Handicap der Kinder und Jugendlichen, technischer Ausstattung mit digitalen Endger\u00e4ten, Auto f\u00fcr Ausfl\u00fcge ins Gr\u00fcne, der wirtschaftlichen Existenzangst der Eltern, etc. Die Corona-Situation trifft Kinder und Jugendliche ganz unterschiedlich hart: Wer in engen Wohnungen, wer ohne Garten, wer ohne Internetanschluss und ohne einen ruhigen Platz f\u00fcr die Hausaufgaben lebt, wer keine Eltern hat, die beim Lesen, bei Physik und Englisch helfen k\u00f6nnen, den treffen geschlossene Kitas und Schulen h\u00e4rter. Kinder und Jugendliche, die in einer Umgebung ohne Anregung leben, ohne Kontakt zu Freundinnen und Freunden, halten diesen Shutdown schwerer aus. Und vor allem leiden die Kinder, die ohnehin schon Gewalt in den Familien erleiden m\u00fcssen, noch st\u00e4rker \u2013 nun ist buchst\u00e4blich niemand mehr da, dem Blessuren und Verletzungen \u00fcberhaupt auffallen k\u00f6nnen. Es ist an der Zeit, wieder Raum f\u00fcr das soziale Lernen und den Austausch im realen Raum zu bieten. <strong>Es ist richtig, dass die Regierungschefinnen und Regierungschefs beschlossen haben, dass wir die besonders vulnerablen Gruppen nicht isolieren. Aber das muss dann eben auch f\u00fcr Kinder und Jugendliche gelten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nur zu sagen, Kitas und die Schule bleiben f\u00fcr viele geschlossen, ist noch keine Antwort, sondern beschreibt vor allem eine Aufgabe. Es braucht kreative und neue L\u00f6sungen, damit auch hier \u2013 innerhalb der Vorgaben der Bundes- und Landespolitik &#8211; der Isolation begegnet werden kann.<\/strong> Je l\u00e4nger der gewohnte Unterricht, der allt\u00e4gliche Besuch der Kita, noch lange auf sich warten lassen, desto wichtiger ist, auch andere Formen der Begegnung und Anregung zu organisieren. F\u00fcr alle Ma\u00dfnahmen gilt, dass das Infektionsgeschehen im Blick gehalten werden muss und die allgemeinen Schutzma\u00dfnahmen eingehalten werden. Das gilt speziell f\u00fcr Kinder und Erzieher*innen und Lehrer*innen, die selbst zu einer Risikogruppe geh\u00f6ren, sowie betroffene Angeh\u00f6rige im Haushalt. F\u00fcr sie m\u00fcssen besondere Vorsichts- und R\u00fccksichtsma\u00dfnahmen gelten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II. Auf den Weg machen<\/h3>\n\n\n\n<p>In der bildungspolitischen Corona-Diskussion geht es derzeit vor allem um Fragen der Pr\u00fcfungen und Hygiene in Kitas und Schulen. Neben der Frage, ob die Schulen oder Kitas nun weiter geschlossen bleiben oder ge\u00f6ffnet werden sollen, ob ganze Jahrg\u00e4nge und wenn ja welche, wann in die Schulen gehen, muss aber auch \u00fcber kreative Alternativen nachgedacht werden. Denn es gibt viele M\u00f6glichkeiten, wie wir Kinder und Jugendliche in dieser schweren Zeit unterst\u00fctzen k\u00f6nnen, um die Vereinsamung von Kindern und Jugendlichen zu verhindern und Chancengleichheit einigerma\u00dfen wahren k\u00f6nnen. Wir appellieren an die Kultus- und Sozialministerinnen und -minister der L\u00e4nder, verst\u00e4rkt Angebote in den Blick zu nehmen, die Kindern und Jugendlichen helfen, auch wenn sie den Rahmen des \u00dcblichen \u00fcberschreiten. Es sind un\u00fcbliche Zeiten. Wir wissen, dass sich Politik, Verwaltung, Schulen und Kitas schon selbst auf den Weg gemacht haben und auch jetzt die Zeit damit verbringen, eigene L\u00f6sungen voran zu bringen. Es wird in den n\u00e4chsten Wochen auch darum gehen, dass gute und kreative Ideen aus den Einrichtungen zum Nachahmen vorgestellt werden. Hier sind die Institute f\u00fcr Bildungsqualit\u00e4t besonders gefordert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III. Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kleinsten<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Schlie\u00dfungen von Kitas und Schulen sind einige Erzieherinnen und Erzieher nicht eingesetzt. In den Schulen findet reduzierter Unterricht statt, in den Kitas gibt es nur die Notbetreuung. Die Notbetreuung ist in den letzten Wochen auf die \u201esystemrelevanten Berufe\u201c beschr\u00e4nkt gewesen. Gerade bei den Elementarkindern brauchen wir aber eine \u00d6ffnung, die die soziale Lage der Kinder und Eltern ber\u00fccksichtigt. Diese kann im klassischen Rahmen erfolgen. Sie kann aber auch dynamisiert werden. Viele P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen k\u00f6nnen derzeit nicht zur Arbeit. Vor Ort sollte ausgelotet werden, wieviel Fachpersonal einsetzbar ist und wie die R\u00e4umlichkeiten so genutzt werden k\u00f6nnen, dass zumindest in Kleinstgruppen ein Angebot aufgebaut werden kann, das \u00fcber den derzeitigen Status hinaus geht und die Notbetreuung ausweitet. Dabei ist wichtig, dass Bezugsperson und Kinder in festen Gruppen zusammenkommen, um die Infektionsgefahr einzud\u00e4mmen. Solche Gruppen bekommen so die M\u00f6glichkeit, zum Beispiel an bestimmten Tagen und in eingeschr\u00e4nkter Stundenzahl aus den eigenen vier W\u00e4nden herauszukommen. In ersten Schritten k\u00f6nnen so besonders Kinder von Alleinerziehenden, aber auch Kinder mit besonderem F\u00f6rderbedarf oder aus schwierigen sozialen Situationen bedacht werden. Weiterhin brauchen Kinder und Familien, deren Eltern beide erwerbst\u00e4tig sind, ebenso ein verl\u00e4ssliches Angebot. Auch f\u00fcr sie sollten schrittweise die Kitas ge\u00f6ffnet werden. Erzieherinnen und Erzieher haben einen guten Einblick in die jeweilige famili\u00e4re Situation. Viele P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen warten nur darauf, ihren Kita-Kindern in angemessener Form wieder mehr Kontakt und Anregung zu bieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange die Kinderbetreuung stark eingeschr\u00e4nkt ist, k\u00f6nnen \u2013 sobald die Kontaktsperren gelockert werden &#8211; zudem Betreuungsgemeinschaften zwischen zwei oder drei Familien vereinbart werden. Diese bieten die M\u00f6glichkeit, die Ma\u00dfgaben des Infektionsschutzes einzuhalten und dennoch die soziale Isolation von Kindern aufzubrechen, Freundschaften wieder aufleben zu lassen und Eltern zu entlasten. Wichtig ist, dass die Familien dann nur untereinander Kontakt haben und den Kontakt zu anderen Familien weiterhin meiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinder brauchen Raum zum Toben und Spielen im Freien. Besonders Kinder, die keinen Garten nutzen k\u00f6nnen, leiden gerade besonders. Daher soll vor Ort gepr\u00fcft werden, wo Kinder unter Aufsicht und mit Einhaltung von Abstandsregeln wieder Angebote im Freien besuchen k\u00f6nnen. Auch sollten Spielpl\u00e4tze unter Beschr\u00e4nkung einer maximalen Personenzahl ab Mai wieder ge\u00f6ffnet werden, auch wenn die Einhaltung der Beschr\u00e4nkungen sicher nicht einfach wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IV. R\u00e4ume und Zeiten f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler<\/h3>\n\n\n\n<p>Gerade bei j\u00fcngeren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern aus sozial benachteiligten Familien spielt die Beziehung zur Lehrkraft eine besondere Rolle. Ein- bis zweimal pro Woche sollen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und die Lehrkr\u00e4fte daher aktiv miteinander kommunizieren. Daf\u00fcr sollen alle Wege genutzt werden, die den regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt f\u00f6rdern. Das kann die die direkte telefonische oder digitale Kommunikation sein. \u00dcberall dort wo es m\u00f6glich ist, sollte die Kommunikation im realen Raum stattfinden, zum Beispiel \u00fcber Sch\u00fcler*innensprechstunden, in denen bei ausreichendem Abstand \u00fcber schulische, aber pers\u00f6nliche Erfahrungen und Fragen gesprochen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Oft ist die Raumkapazit\u00e4t das Problem. Darum braucht es eine Vergr\u00f6\u00dferung des Raums durch die \u00d6ffnung von Lern- bzw. Begegnungsr\u00e4umen zu definierten Zeiten f\u00fcr kleine feste Gruppen oder durch 1:1-Gespr\u00e4che in der Schule. Wo und wann m\u00f6glich, sollte die Gelegenheit genutzt werden, Gespr\u00e4che im Freien durchzuf\u00fchren. Auch nicht genutzte R\u00e4ume wie Sporthallen, Vereinsr\u00e4ume und Bibliotheken k\u00f6nnen umfunktioniert werden. Das alles muss erfolgen unter der Voraussetzung, dass die gleichen Regeln wie f\u00fcr den Einzelhandel auch f\u00fcr die Schulen gelten: also, dass alle R\u00e4ume f\u00fcr Sprechstunden oder Kleingruppen benutzt werden k\u00f6nnen, wenn die Kinder Abstand halten. Die jeweils angemessene Gruppengr\u00f6\u00dfe muss den r\u00e4umlichen Bedingungen vor Ort angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine deutliche Reduzierung der Klassengr\u00f6\u00dfe und alternierender Unterricht (z.B. nachmittags\/vormittags\/an bestimmten Wochentagen) ist eine weitere M\u00f6glichkeit, die \u00dcbergangszeit unter Wahrung der Vorschriften zu nutzen. F\u00e4chern k\u00f6nnten in Pr\u00e4senzphasen und \u201ehome schooling\u201c aufteilt werden. So k\u00f6nnten immerhin mehr Kinder und Jugendliche aus ihrer kompletten Kontaktsperre herauskommen. Die jeweils angemessene Gruppengr\u00f6\u00dfe muss den r\u00e4umlichen Bedingungen vor Ort angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p>An vielen Schulen wird seit Beginn der Corona-Schlie\u00dfungen die M\u00f6glichkeit genutzt, \u00fcber Videokonferenzen zu unterrichten. Das funktioniert zum Teil auch schon bei Grundsch\u00fclerinnen oder Grundsch\u00fclern, sofern ein PC\/Laptop\/Tablet im Haushalt verf\u00fcgbar ist. Es gibt aber weiterhin viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die nicht digital erreicht werden k\u00f6nnen. Viele Schulen reagieren darauf mit Postsendungen an die Kinder. Hier k\u00f6nnte man darauf umstellen, dass die Kinder sich die Aufgaben zu festen Zeiten von ihrer Lehrkraft abholen, wenn der Schulweg dies erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber braucht es vermehrt technische Unterst\u00fctzung \u2013 f\u00fcr die Schulen, aber auch f\u00fcr die Familien. Wir k\u00f6nnen nicht zulassen, dass ein Teil der Kinder und Jugendlichen abgeh\u00e4ngt wird, weil die Ausstattung nicht stimmt. So kann \u00fcber das Bildungs- und Teilhabepaket Zugang zu digitalen Ger\u00e4ten geschaffen werden. Entsprechend ist zu pr\u00fcfen, ob Bundesmittel jetzt aus dem Digitalpakt f\u00fcr ein Sonderf\u00f6rderprogramm der L\u00e4nder f\u00fcr die Anschaffung von ausreichend geeigneten digitalen Endger\u00e4ten f\u00fcr die Schulen umgeleitet werden k\u00f6nnen, die dann f\u00fcr bestimmte Kinder bereitgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6ffentliche Einrichtungen, die ein stabiles und gutes WLAN-Netz und internetf\u00e4hige Ger\u00e4te besitzen, k\u00f6nnten f\u00fcr bestimmte Zeitr\u00e4ume Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Arbeitspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung stellen. So k\u00f6nnten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ohne h\u00e4usliche Arbeits- und Internetzugangsm\u00f6glichkeiten in Stadtbibliotheken, Computerr\u00e4umen der Schule oder Jugendzentren arbeiten. Eine Lehrkraft k\u00f6nnte so au\u00dferdem f\u00fcr mehrere Kinder und Jugendliche auch als Aufsichts- und Ansprechperson da sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es braucht klare Regelungen zur Bewertung von Leistungen in Schulen. Denn der Einfluss des famili\u00e4ren Hintergrunds steigt gerade. Es muss gelten, dass keine Sch\u00fclerin und keine Sch\u00fcler aufgrund der aktuellen Lage in ihrem Bildungserfolg benachteiligt wird. Einige Bundesl\u00e4nder nehmen den Unterricht in Abwesenheit aus der Bewertung heraus. Denn der Einfluss des famili\u00e4ren Hintergrunds steigt gerade. Die Einhaltung der Lehrpl\u00e4ne kann unter diesen Voraussetzungen nicht an allererster Stelle stehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">V. Beinfreiheit und volle R\u00fcckendeckung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kultusministerinnen und Kultusminister sollten sich selbstverst\u00e4ndlich an die Vereinbarungen der L\u00e4nder mit dem Bund halten und sollten sich bei allen weiteren Entscheidungen eng abstimmen. Das hei\u00dft, ein regul\u00e4rer Unterricht mit der normalen Stundentafel kann noch nicht beginnen. Es ist auch nicht absehbar, wann dieser wieder m\u00f6glich sein wird. Umso wichtiger ist es, die Krisenlage mit besonderen Antworten in einer besonderen Situation zu gestalten und so gesellschaftliches Leben und Kita- und Schulalltag neu zu denken und zu erm\u00f6glichen. Daf\u00fcr brauchen die Kitas, Schultr\u00e4ger, Schulen und nicht zuletzt die vielen engagierten Kita- und Schulleitungen, Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkr\u00e4fte Entscheidungsspielraum, Beinfreiheit und volle R\u00fcckendeckung durch die Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kommunen und Bildungseinrichtungen sollten eigene Handlungsspielr\u00e4ume gew\u00e4hrt werden. Die Voraussetzungen vor Ort (L\u00e4ndliche R\u00e4ume \u2013 urbane R\u00e4ume, schulisches Personal, Betreuungskapazit\u00e4ten, bauliche Infrastruktur der Schulen, Digitalisierungsgrad, sozial\u00f6konomische Situation der Kinder und Jugendlichen, etc.) sind teils sehr unterschiedlich. So kann mit Flexibilit\u00e4t das Bestm\u00f6gliche aus der Situation gemacht werden. Entsprechend sollten sich Vorschriften auf die gesundheitlichen Sicherheitsma\u00dfnahmen konzentrieren, alles, was diese einh\u00e4lt, sollte den Institutionen aber m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen Kitas und Schulen die M\u00f6glichkeit geben, unb\u00fcrokratisch und flexibel neue Angebote zu schaffen, wenn sie dies f\u00fcr m\u00f6glich und n\u00f6tig halten. Dabei geht es nicht um einen Ersatz des Unterrichts, sondern in erster Linie darum, f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen, f\u00fcr die es besonders wichtig ist, eine Isolation zu verhindern. Sozialarbeiterinnen und Sozialp\u00e4dagogen sollten aus der Kinder- und Jugendhilfe gerade jetzt noch st\u00e4rker in den Kontext Schule eingebunden werden. Sie sind gerade in Krisenzeiten wichtige Ansprechpartner und wertvolle Vertrauenspersonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Schulen, gerade an Standorten mit gro\u00dfen Herausforderungen, sind im eigenen Stadtteil\/ Ort gut vernetzt. Es sollte darum \u00fcber Ausweitungen von Mentoring-Programmen nachgedacht werden, in den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eine au\u00dferschulische Begleitperson haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut aktivierbar ist auch das Tutorenprinzip in der Schule, das hei\u00dft \u00e4ltere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bilden ein Lernduo mit j\u00fcngeren \u2013 davon profitieren beide. Auch hier ist wichtig, dass es um einen planbaren und begrenzten 1:1-Kontakt geht. Das schlie\u00dft Studierende von p\u00e4dagogischen F\u00e4chern mit ein. Sie k\u00f6nnten ebenfalls \u2013 gerade, weil auch einige Unis nicht regul\u00e4r ge\u00f6ffnet sind \u2013 an Schulen als Tutoren arbeiten und so die aufwendigere Betreuung erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kitas und Schulen sollten zur Umsetzung ein Budget aus dem Sozialhaushalt des Bundes erhalten \u2013 so wird die Autonomie des Bildungsf\u00f6deralismus gewahrt und verhindert, dass sich Bund und L\u00e4nder in langen Zust\u00e4ndigkeitsstreitereien verkeilen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VI. Die Sommerferien nutzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Selbst, wenn im Fr\u00fchsommer eine Normalisierung des Betriebes m\u00f6glich sein sollte, kommen schon bald die Sommerferien und die Schlie\u00dfungen setzen sich quasi als Ferienzeit weiter fort \u2013 nur dass in diesem Jahr die Schule ja schon monatelang die T\u00fcren geschlossen hatte. Deshalb sollten bis sp\u00e4testens zu und in den Sommerferien Freizeitangebote f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler organisiert werden, die in kleinen festen Gruppen einen Ausweg bieten, die soziale Isolation nicht noch weiter verst\u00e4rken und die Zug\u00e4nge zu Bildung offenhalten. Vielen Kulturschaffende, Trainerinnen, Dozenten sind derzeit ihre Bet\u00e4tigungsfelder weggebrochen. Studierende haben ihre Jobs verloren. Wir haben die Chance, die Sommerferien mit Angeboten an den Kitas und Schulen zu f\u00fcllen und so gegen die sozialen und p\u00e4dagogischen Verluste der Corona-Krise anzuarbeiten. Ziel ist es dabei nicht einen verkappte Ferien-Unterricht anzubieten, sondern ein anregendes Freizeitprogramm in festen Kleingruppen. Je nach Infektionsgeschehen im Sommer k\u00f6nnen das kleine oder auch etwas gr\u00f6\u00dfere Theater- und Musikworkshops, Filmprojekte, Radtouren in die Umgebung, Sportangebote im Freien, Sprach-, Koch &#8211; und Kunstkurse und vieles mehr sein. Wichtig ist, dass die Angebote \u00fcber die Schulen laufen, damit m\u00f6glichst viele Kinder und Jugendliche, die diese M\u00f6glichkeiten brauchen, auch erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Autor*innen<\/h3>\n\n\n\n<p>Robert Habeck, Bundesvorsitzender<\/p>\n\n\n\n<p>Margit Stumpp, Bundestagsfraktion<\/p>\n\n\n\n<p>Ines Strehlau, LTF Schleswig-Holstein<\/p>\n\n\n\n<p>Ivy May M\u00fcller, Hamburgische B\u00fcrgerschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Julia Willie Hamburg, LTF Niedersachsen<\/p>\n\n\n\n<p>Marianne Burkert-Eulitz, Abgeordnetenhaus Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>Sigrid Beer, LTF NRW und BAG-Sprecherin<\/p>\n\n\n\n<p>Christin Melcher, LTF Sachsen<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang Aldag, LTF Sachsen Anhalt<\/p>\n\n\n\n<p>Astrid Rothe-Beinlich, LTF Th\u00fcringen<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel K\u00f6bler, LTF Rheinland-Pfalz<\/p>\n\n\n\n<p>Sandra Boser, LTF Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n\n\n\n<p>Gabriele Triebel, LTF Bayern<\/p>\n\n\n\n<p>Hans-J\u00fcrgen Kuhn, BAG-Sprecher<\/p>\n\n\n\n<p>Christopher Hupe, B\u00fcrgerschaft Bremen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Impulspapier erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit und traut sich, auch unorthodoxe Gedanken festzuhalten. 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